nachricht
Im Dialog: Psychische Gesundheit für ein chancengerechtes Leben
Bericht zum Fachtag „Gesundheitliche Chancengleichheit“ vom 17.11.2025

Der erste Fachtag des HAGE-Arbeitsbereichs „Gesundheitliche Chancengleichheit“ widmete sich dem Thema „Im Dialog: Psychische Gesundheit für ein chancengerechtes Leben“. Er war getragen von der Koordinierungsstelle Gesundheitliche Chancengleichheit (KGC) Hessen, dem Programm teamw()rk für Gesundheit und Arbeit sowie dem Landesprogramm Präventionsketten Hessen – alles Projekte im Arbeitsbereich „Gesundheitliche Chancengleichheit“.
Zahlreiche Fachakteur*innen aus unterschiedlichen kommunalen, sozialen und gesundheitlichen Settings kamen zusammen, um gemeinsam über Herausforderungen und Chancen im Feld der psychischen Gesundheit zu diskutieren.
Impulsvortrag
In einem einleitenden Impulsvortrag beleuchtetet Prof. Dr. Phil C. Langer (International Psychoanalytic University Berlin) die komplexen gesellschaftlichen Bedingungen psychischer Gesundheit und hob insbesondere die Bedeutung struktureller Faktoren hervor.
Er stellte die Frage, wie psychische Gesundheit gesellschaftlich verstanden wird und welche Auswirkungen dies für verschiedene Bevölkerungsgruppen hat. Dabei kritisierte er, dass häufig der einzelne Mensch Verantwortung für seine psychische Stabilität trägt, während strukturelle Bedingungen wie Diskriminierung, Armut, soziale Belastungen oder fehlende Zugänge zu Unterstützungsangeboten aus dem Blick geraten. Konzepte wie Resilienz könnten zwar hilfreich sein, müssten jedoch kritisch hinterfragt werden, um nicht von den gesellschaftlichen Ursachen psychischer Belastungen abzulenken.
Prof. Langer betonte die Notwendigkeit, psychische Gesundheit als gemeinsame gesellschaftliche Aufgabe zu begreifen und nachhaltige Veränderungen anzustoßen. Diese beziehen sich vor allem auf eine grundlegende Änderung der gesellschaftlichen Wahrnehmung und Zuschreibung von Verantwortung: weg von der Individualisierung psychischer Belastungen und hin zu einem Verständnis, das strukturelle Bedingungen, soziale Ungleichheiten und Diskriminierung als zentrale Einflussfaktoren anerkennt und entsprechend berücksichtigt.
Fachforen
In drei Fachforen wurden verschiedene Themenschwerpunkte vertieft und aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet. Alle Fachforen verdeutlichten:
- Psychische Gesundheit kann dann wirksam gestärkt werden kann, wenn unterschiedliche Akteure kooperieren und wenn niedrigschwellige, vertrauensbildende Strukturen geschaffen werden.
- Sowohl verbindliche Netzwerke als auch Safer Spaces und partizipative Formate eröffnen zentrale Zugänge zu Information, psychosozialer Unterstützung, Präventions- und Versorgungsangeboten und bauen gesellschaftliche Barrieren ab.
World-Café
Im World-Café brachten die Teilnehmenden ihre eigenen Perspektiven zu den Themenschwerpunkten der Fachforen ein. Sie diskutierten anhand persönlicher Erfahrungen, wie psychische Gesundheit in ihren Organisationen, Vereinen und Kommunen bereits gestärkt wird oder künftig gestärkt werden kann. Der offene Austausch förderte Vernetzung, ermöglichte neue Blickwinkel über den eigenen Tellerrand hinaus und bot zahlreiche Impulse sowie praxisnahe Ideen für die weitere Arbeit.
Präsentationen
„(Wie) kann psychische Gesundheit gerecht sein? – Im Spannungsfeld sozialer Ungleichheit und gerechter Gesundheitsförderung”
- Prof. Dr. Phil C. Langer, Professor für psychoanalytische Sozialpsychologie und Sozialpsychiatrie, International Psychoanalytic University Berlin gGmbH
Fachforum 1
„Strukturen stärken, Menschen erreichen: Förderung der psychischen Gesundheit im Gemeindepsychiatrischen Verbund des Landkreis' Groß-Gerau”
- Dr. med. Monica Schol-Tadic, FDL Sozialmedizin, Psychiatriekoordination, Fachbereich Gesundheit und Prävention, Kreis Groß-Gerau
Elisabeth Israel, Geschäftsführerin, SPV Gemeindepsychiatrische Angebote gGmbH
Fachforum 2
„Nicht für alle gleich – aber für alle sicher? Safer Spaces als Schlüssel zu psychischer Gesundheit“
- Aylin Aygut (Coachin), Café Wohlzeit,
- Kathrin (Kle) Tablack (Leitung) und Cora (Fachkraft für intergenerationale Arbeit), Queeres Zentrum Wiesbaden e. V.
Fachforum 3
„Integrierte Gesamtstrategien – Strukturelle Beteiligung – Mentale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen”
- Prof. Dr. Hanna Christiansen, Deutsches Zentrum für Psychische Gesundheit, Standort Marburg
Roberta Ferrante, Koordinatorin Kinder- und Jugendparlament der Stadt Offenbach
Impressionen
Ausführliche Veranstaltungsdokumentation
In der PDF-Datei steht Ihnen eine detaillierte Dokumentation des Fachtags zur Verfügung.
Danke!
Als Arbeitsbereich „Gesundheitliche Chancengleichheit“ danken wir allen Beteiligten herzlich für ihr Engagement, ihre fachlichen Impulse und den offenen Austausch, mit dem sie zur Stärkung psychischer Gesundheit und gesundheitlicher Chancengleichheit beigetragen haben.

Organisation
Die Veranstaltung wurde vom Arbeitsbereich „Gesundheitliche Chancengleichheit“ der HAGE und seinen Projekten – Koordinierungsstelle Gesundheitliche Chancengleichheit (KGC) Hessen, Programm „teamw()rk für Gesundheit und Arbeit“, Landesprogramm „Präventionsketten Hessen“ – organisiert und durchgeführt.
Fotos: © HAGE/andreasmann.net