Programm Schulgesundheitsfachkräfte

Mit dem Programm stärkt das Land Hessen die Gesundheit der Schülerinnen und Schüler im Setting Schule und erhöht die Bildungschancen.

Kümmern, pflegen, da sein!

Die schuleigene Pflegekraft (Schulkrankenschwester bzw. School Nurse) hat in vielen Ländern bereits eine lange Tradition. In den USA und Großbritannien gibt es bereits seit Anfang des 20. Jahrhunderts School Nurses. Schule ist eine Lebenswelt die für die gesundheitliche Entwicklung von Schülerinnen und Schüler eine wesentliche Bedeutung hat. Dort kann Gesundheit erfahren, gefördert und erlernt werden. Insbesondere für chronisch kranke und behinderte Schülerinnen und Schüler ist häufig nicht die notwendige Unterstützung vorhanden. Hier ergänzen und verzahnen multiprofessionelle Teams verschiedene Unterstützungsangebote um Schülerinnen und Schüler individuell zu fördern. 

Als spezialisierte Pflegekräfte übernehmen Schulgesundheitsfachkräfte die gesundheitliche Betreuung, Gesundheitsförderung und Prävention und vernetzen zu innerschulischen und außerschulischen Angeboten oder kommunalen Fachdiensten. Das im Jahr 2017 als Modell gestartete Projekt wird aktuell im Rahmen eines Landesprogramms an allgemeinbildenden Schulen in Hessen fortgeführt und sukzessive mit zusätzlichen Stellen ausgebaut. 

Die HAGE begleitet die Einführung, Umsetzung und Weiterentwicklung des Landesprogramms in Kooperation mit dem Hessischen Kultsministerium. Im Rahmen des Auftrags bietet HAGE für Staatliche Schulämter, Schulträgern, Schulleitungen und Schulgesundheitsfachkräften folgende Angebote: 

  • Beratung zu fachlichen Fragen im Bereich der schulischen Gesundheitsförderung und Prävention
  • Beratung zu organisatorischen und räumlichen Rahmenbedingungen an den Schulstandorten
  • Vernetzung und Kooperation mit anderen Programmen und Initiativen zur Gesundheitsförderung an Schulen
  • Organisation des Erfahrungsaustausches für Schulleitungen, die staatlichen Schulämter und die Schulgesundheitsfachkräfte
  • Qualitätssicherung, Überprüfung und kontinuierliche Weiterentwicklung des Programms
  • Entwicklung von Standards und Leitlinien
Schule im Wandel

Kinder und Jugendliche wachsen in Deutschland überwiegend in guter Gesundheit auf. Gesellschaftliche, kulturelle und soziale Entwicklungen wie Ganztagsbetreuung und Inklusion sind in den Schulen angekommen. Auch die Zunahme chronischer Erkrankungen bei Schülerinnen und Schülern ist zu beobachten. Diese Großtrends und der Wille zur Förderung bildungsbezogener Chancengleichheit stellen die Schulen vor große Herausforderungen.

Ziele des Programms

Mit dem Einsatz von Schulgesundheitsfachkräften soll die Gesundheit der Schülerinnen und Schüler gestärkt und die gesundheitliche Chancenungleichheit reduziert werden. Aktuelle Studien weisen auf einen umfassenden Handlungsbedarf hin um das Wohlbefinden von Jungen und Mädchen weiter aufrecht zu erhalten. Untersuchungen des RKI zur Bedeutung des sozialen Status für ein gesundes Aufwachsen zeigen zudem auf, dass Kinder und Jugendliche aus der niedrigen Statusgruppe ein erhöhtes Risiko für einen beeinträchtigten allgemeinen Gesundheitszustand und für psychische Auffälligkeiten haben.

Daher verfolgt das Programm folgende Ziele:

  • Etablierung eines gesundheitsförderlichen Schulklimas
  • Verbesserung der Lernvoraussetzungen für alle Schülerinnen und Schüler
  • Integration chronisch kranker Schülerinnen und Schüler sowie Schülerinnen und Schüler mit Behinderungen
  • Reduktion von Fehlzeiten von Schülerinnen und Schülern sowie dem Schulpersonal
  • Entlastung der Lehrkräfte, und des Sekretariats von gesundheitsbezogenen Aufgaben 
  • Entlastung der Eltern/Sorgeberechtigten
  • Reduktion der Unfallzahlen und Unfallkosten
Aufgaben einer Schulgesundheitsfachkraft
  • Gewährleistung einer Erstversorgung von erkrankten und verletzten Personen auf dem Schulgelände
  • Unterstützung bei der Früherkennung von möglichen gesundheitlichen Entwicklungsstörungen
    Gesundheitsförderungs- und Präventionsprojekte
  • Unterstützung der Lehrkräfte bei unterrichtsbegleitenden, bereits bewährten und qualitätsgesicherten Präventionsprojekten
  • Optimierung der gesundheitlichen Kompetenz von Lehrkräften, Eltern und Schüler/innen
  • Unterstützung von chronisch Kranken und Kindern mit Beeinträchtigungen sowie von Schüler/innen nach krankheitsbedingter längerer Abwesenheit
  • Ansprech- und Vertrauensperson
  • Interdisziplinäre inner- und außerschulische Zusammenarbeit/ Lotsenfunktion
  • Administrative und sonstige Tätigkeiten
Arbeitshilfe der DGUV zur Implementierung von Schulgesundheitsfachkräften

Zur Einführung von Schulgesundheitsfachkräften an öffentlichen Schulen sind vielfältige Überlegungen anzustellen. Das Schulsystem hat kaum Erfahrungen mit der Einbindung von Fachkräften mit gesundheitlicher und pflegerischer Verantwortung. Daher ist vieles neu zu entwickeln, von der Zielsetzung, über das Aufgabenprofil, zur rechtlichen Einbindung bis hin zur Vernetzung und Dokumentation. Die vorliegende Schrift liefert dazu eine erste Vorlage, auf der sich der Öffentliche Gesundheitsdienst und die Bildungsverwaltung über die konkrete Ausgestaltung verständigen können.


 DGUV Information 202-116 Einsatz von Schulgesundheitsfachkräften

 

Evaluation bestätigt Wirksamkeit von Schulgesundheitsfachkräften

Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitforschung durch die Charité-Universitätsmedizin bestätigten auch für Hessen die guten internationalen Erfahrungen mit Schulgesundheitsfachkräften. 
Der Einsatz der Schulgesundheitsfachkräfte wird seit Januar 2019 unter Federführung des Hessischen Kultusministeriums fortgesetzt. Damit konnte nahtlos die maßgeblich von der AOK Hessen finanzierte Modellphase in den unbefristeten Einsatz der Schulgesundheitsfachkräfte übergehen. Zukünftig werden weitere Schulen von einem Stellenausbau mit Schulgesundheitsfachkräften profotieren.

Das Modellprojekt “Schulgesundheitsfachkräfte an allgemeinbildenenden Schulen in Hessen und Brandenburg” wurde durch das Institut für Gesundheits‐ und Pflegewissenschaft der Charité – Universitätsmedizin Berlin wissenschaftlich begleitet.

Teil 1 - Analyse der Ausgangslage
Teil 2- Implementationsbegleitung und Wirkungsanalyse

Kurzfassung der Evaluationsergebnisse 

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