nachricht

40 Jahre Ottawa-Charta: Von der Vision zur Praxis

Programm teamw()rk vernetzt Gesundheit und Arbeit in Hessen

6. Februar 2026
Anlässlich des 40-jährigen Jubiläums der Ottawa-Charta zeigt „teamw()rk für Gesundheit und Arbeit“, wie Gesundheitsförderung in der Praxis funktionieren kann: durch Vernetzung, Teilhabe und die Schaffung gesundheitsförderlicher Strukturen für erwerbslose Menschen.
Ballons in goldenen Farben, in der Mitte Schriftzug "40 Jahre Ottawa Charta"


Die Ottawa-Charta für Gesundheitsförderung feiert in diesem Jahr ihr 40-jähriges Jubiläum – und hat bis heute in der Praxis der Gesundheitsförderung nichts an Bedeutung verloren. Die Ottawa-Charta definiert Gesundheitsförderung als Prozess, der Menschen befähigt, Kontrolle über ihre Gesundheit zu gewinnen und diese zu verbessern. Dabei stellt sie fünf Handlungsfelder in den Mittelpunkt: 

  • gesundheitsförderliche Lebenswelten schaffen
  • Gesundheitskompetenz stärken
  • gesundheitsbezogene Gemeinschaftsaktionen unterstützen
  • Gesundheitsdienste neu ausrichten
  • politische Rahmenbedingungen gesundheitsförderlich gestalten

Umsetzung in die Praxis durch teamw()rk

Das Programm „teamw()rk für Gesundheit und Arbeit“ zeigt, wie die Vision der Ottawa-Charta konkret in die Praxis umgesetzt werden kann. Es verknüpft Gesundheits- und Arbeitsförderung in den Lebenswelten erwerbsloser Menschen und macht Gesundheit dort erlebbar, wo Alltag stattfindet. Die Angebote werden dialog- und zielgruppengerecht gestaltet, niedrigschwellig zugänglich gemacht und direkt in der Lebenswelt der Teilnehmenden umgesetzt. Gesundheitsförderung wird dabei nicht als punktuelles Einzelangebot verstanden, sondern als Teil eines lebensweltorientierten Unterstützungsnetzwerks, das durch wiederkehrende Gruppenformate sowie durch die Zusammenarbeit mit lokalen Partner*innen getragen wird und so Zugang, Kontinuität und Nachhaltigkeit sichert.

website zum Programm

Die teamw()rk-Angebote – von Bewegungs-, Entspannungs- und Ernährungsformaten über Gesundheitscafés bis hin zu Angeboten zur psychosozialen Stabilisierung und Teilhabe – adressieren systematisch die zentralen Handlungsfelder der Ottawa-Charta. Sie tragen zur Schaffung gesundheitsförderlicher Lebenswelten bei, stärken individuelle Ressourcen und fördern soziale Vernetzung. Gesundheitskompetenz wird dabei nicht abstrakt vermittelt, sondern im Alltag der Teilnehmenden verankert: durch praktische Übungen, lebensnahe Informationen und den Austausch in der Gruppe. Auf diese Weise werden die Teilnehmenden befähigt, gesundheitsfördernde Entscheidungen zu treffen, ihre Ressourcen zu erkennen und ihr Handeln zu reflektieren, was Selbstwirksamkeit und Lebensqualität stärkt.

Gesundheitsangebote

Gemeinschaftsaktionen und Netzwerke

Ein zentraler Bestandteil des Programms ist auch die Förderung von Gemeinschaftsaktionen und Netzwerken. Durch die enge Vernetzung mit Jobcentern, kommunalen Akteur*innen und Partner*innen aus der Lebenswelt erwerbloser Menschen entstehen stabile Kooperationsstrukturen, die langfristige Unterstützung, soziale Teilhabe und Integration ermöglichen. Gesundheitsförderung wird dadurch als gemeinschaftliche Aufgabe verstanden und nicht als isolierte Maßnahme einzelner Akteur*innen. Diese Vernetzungsarbeit bildet zugleich die Grundlage für nachhaltige Angebotsstrukturen auf kommunaler Ebene. Durch die Zusammenarbeit mit Akteur*innen aus Arbeitsförderung, Sozialbereich, Gesundheit und zivilgesellschaftlichen Einrichtungen – z. B. Familienzentren, Mehrgenerationenhäuser, Sportvereine, Arbeitslosen- oder Kulturinitiativen – wird Gesundheitsförderung als Querschnittsthema in kommunale Zusammenhänge eingebettet. Auf diese Weise können gesundheitsfördernde Angebote langfristig verankert und an bestehende kommunale Steuerungsstrukturen angebunden werden.

Netzwerke vor Ort

Health in and for All Policies

Auf struktureller und politischer Ebene folgt teamw()rk dem Ansatz Health in and for All Policies: Gesundheitsförderung wird systematisch in und für arbeitsmarktpolitische, sozialpolitische und bildungsbezogene Prozesse integriert. Gesundheitsorientierte Beratungsgespräche in den Jobcentern sind dabei nicht isolierte Maßnahmen, sondern Teil eines ressortübergreifenden Netzwerks, das Kommunalpolitik und -verwaltung, Sozialdienste, Bildungsinstitutionen und zivilgesellschaftliche Akteur*innen zusammenbringt. Diese enge Verzahnung ermöglicht es, Gesundheitsförderung als Querschnittsthema dauerhaft in kommunale Strukturen einzubetten. Sie schafft die Grundlage dafür, dass Angebote nicht punktuell, sondern nachhaltig wirken und systematisch in kommunale Entscheidungs- und Steuerungsprozesse integriert werden.

Das Programm leistet damit einen Beitrag zur Neuausrichtung kommunaler Gesundheitsdienste, zur Sensibilisierung von Politik und Verwaltung für soziale Gerechtigkeit und gesundheitliche Chancengleichheit sowie zur langfristigen Förderung sozialer Teilhabe. Gleichzeitig zeigt das Programm exemplarisch, wie Arbeits- und Gesundheitsförderung in Kommunen miteinander verzahnt werden können, um wirksame und nachhaltige Strukturen zu schaffen. Für die Verstetigung ist entscheidend, dass diese Netzwerke weitergeführt, institutionalisiert und ressortübergreifend abgestimmt werden. teamw()rk macht Gesundheit erlebbar und bietet Kommunen zugleich ein tragfähiges Modell, um Gesundheitsförderung und Arbeitsintegration als gemeinsame, strategische Querschnittsaufgaben zu verankern.

Ottawa-Charta in der Umsetzung: Spaziergeh-Treffs in Hessen
Waldweg, in der Mitte Kreis mit Aufschrift "Spaziergehtreff" und zwei spazierenden Personen sowie Logo "teamw()rk für Gesundheit und Arbeit


Wie die Leitideen der Ottawa-Charta im Alltag erlebbar werden, zeigt sich beispielhaft am Angebot des Spaziergeh-Treffs. Dieser ist als niedrigschwelliges Begegnungsangebot konzipiert, das regelmäßige Bewegung mit sozialer Teilhabe verbindet und bewusst an den Lebensrealitäten erwerbsloser Menschen ansetzt. Durch die einfache und offene Gestaltung ermöglicht der Spaziergeh-Treff einen unkomplizierten Zugang zu Bewegung – unabhängig von Fitnessstand, Vorerfahrungen oder individuellen Einschränkungen. Bewegung wird dabei nicht leistungsorientiert verstanden, sondern als gemeinschaftliche Aktivität, die Wohlbefinden, Tagesstruktur und Motivation stärkt. Gleichzeitig entstehen während der gemeinsamen Spaziergänge Räume für Austausch, gegenseitige Unterstützung und informelle Gespräche.

Das teamw()rk-Angebot wird inzwischen an mehreren Standorten in Hessen umgesetzt – unter anderem als Frauenspaziergeh-Treff in Limburg sowie als Spaziergeh-Treffs in Michelstadt, Rüsselsheim,Wiesbaden, Hüttenfeld,Maintal, Bad Arolsen, Schwalmstadt und Homberg (Efze). Die unterschiedlichen Formate und lokalen Ausprägungen zeigen, wie flexibel das Angebot an kommunale Gegebenheiten und Zielgruppen angepasst werden kann. Ein zentraler Erfolgsfaktor ist die enge Zusammenarbeit mit lokalen Kooperationspartner*innen. Dazu zählen unter anderem Familien- und Stadtteilzentren, Sportvereine sowie insbesondere die Jobcenter der teilnehmenden Landkreise. Letztere tragen wesentlich dazu bei, die Angebote vor Ort bekannt zu machen und Teilnehmende gezielt anzusprechen. Durch diese Vernetzung wird der Spaziergeh-Treff nachhaltig in bestehende Strukturen eingebettet und als Teil kommunaler Lebenswelten verankert.

Im Sinne der Ottawa-Charta trägt der Spaziergeh-Treff dazu bei, gesundheitsförderliche Lebenswelten zu schaffen, Gemeinschaftsaktionen zu stärken und soziale Isolation abzubauen. Gesundheit wird dabei nicht abstrakt vermittelt, sondern im gemeinsamen Tun erfahrbar gemacht – niedrigschwellig, lebensnah und gemeinschaftlich.

Ein weiteres Praxis-Beispiel, in dem sich Leitlinien der Ottawa-Charta widerspiegeln, sind die Gesundheitscafés, die „teamw()rk für Gesundheit und Arbeit“ in Hessen ins Leben gerufen hat. 

Fazit

Die Erfahrungen aus den Projekten von teamw()rk zeigen, dass nachhaltige Gesundheitsförderung für erwerbslose Menschen vor allem dort gelingt, wo sie strukturell mit kommunaler Arbeitsmarkt-, Sozial- und Gesundheitspolitik verzahnt wird. Die im Programm aufgebauten Netzwerke, Kooperationsformen und niedrigschwelligen Zugänge bieten eine wichtige Grundlage, um Gesundheitsförderung dauerhaft in kommunale Planungs- und Steuerungsprozesse zu integrieren.

Für die Verstetigung bedeutet dies, Gesundheits- und Arbeitsförderung nicht projektbezogen zu denken, sondern als gemeinsame kommunale Gestaltungsaufgabe weiterzuentwickeln. teamw()rk zeigt, wie zeitlich begrenzte Programme Impulse setzen können, aus denen langfristig tragfähige Strukturen entstehen – vorausgesetzt, sie werden kommunal aufgegriffen, koordiniert und weitergeführt.