Veranstaltung
Kommunale Gesundheitsförderung strategisch und politisch sichtbar machen
Impulse aus dem Austauschtreffen der Partnerkommunen „Gesundheit für alle“ am 30.06.2026

Gesundheitsämter unter wachsendem Handlungsdruck
Gesundheitsämter stehen vor der Aufgabe, sowohl akute Gesundheitskrisen zu bewältigen als auch langfristige Maßnahmen der Gesundheitsförderung zu sichern. Diese Spannung zeigte sich in den Diskussionen des 16. Austauschtreffens der neun hessischen Partnerkommunen „Gesundheit für alle“, das durch die Koordinierungsstelle Gesundheitliche Chancengleichheit (KGC) Hessen begleitet wurde.
Die kommunalen Koordinierungskräfte kamen gemeinsam mit ihren Amts- und Bereichsleitungen sowie mit Dr. Katharina Böhm, Geschäftsführerin der HAGE, und Mechthild Paul, stellvertretende kommissarische Leitung des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), zusammen. Gemeinsam diskutierten sie, wie Prävention und Gesundheitsförderung unter schwieriger werdenden Rahmenbedingungen politisch gesichert werden können.
Kommunale Gesundheitsförderung mit doppeltem Auftrag
Bei akuten Gesundheitsrisiken und Krisensituationen müssen Gesundheitsämter schnell reagieren und besonders gefährdete Menschen schützen. Während sich die Aufmerksamkeit auf diese unmittelbar sichtbaren Krisen richtet, dürfen jedoch die weniger offensichtlichen, langfristig wirksamen Belastungen nicht übersehen werden. Dazu zählen beispielsweise soziale Isolation, psychische Belastungen, ungleiche Gesundheitschancen und fehlende gesundheitsförderliche Strukturen in den Lebenswelten der Menschen. Diese Belastungen entwickeln sich häufig schleichend, können sich gegenseitig verstärken und erhebliche gesundheitliche und gesellschaftliche Folgen nach sich ziehen. Kommunale Gesundheitsförderung hat daher eine doppelte Aufgabe: Sie muss bei akuten Gesundheitsgefahren handlungsfähig sein und zugleich die Verhältnisse in den Lebenswelten der Menschen bedarfsorientiert in den Blick nehmen.
Der Impuls von Mechthild Paul machte deutlich, wie breit und anspruchsvoll das Aufgabenfeld kommunaler Gesundheitsförderung inzwischen ist. Themen wie wirkungsorientierte Prävention, integrierte Sozial- und Gesundheitsplanung, belastbare Daten und gesundheitsförderliche Strukturen vor Ort zeigen, dass gesundheitliche Chancengleichheit im Sinne von „Health in All Policies“ gedacht werden muss.
Den Partnerprozess politischer ausrichten und gute Praxis sichtbarer machen
Für die Weiterentwicklung des Partnerprozesses wurden vor diesem Hintergrund folgende zentrale Ergebnisse festgehalten: Der Partnerprozess soll politischer ausgerichtet, die Erfahrungen der Partnerkommunen gebündelt und gute Praxis sichtbarer gemacht werden. Zudem sollen die Vernetzung mit landesweiten Strukturen und Fachforen gestärkt sowie Möglichkeiten für gemeinsame Positionen geprüft werden. Auf diese Weise kann der Partnerprozess zu einer gemeinsamen Stimme für eine strategische und chancengerechte kommunale Gesundheitsförderung in Hessen werden.
Die Berichte aus den Kommunen zeigten, dass sich die Partnerkommunen ihrer Verantwortung bewusst sind und sich strategisch für Prävention und Gesundheitsförderung vor Ort stark machen. Dabei bietet ihnen der Partnerprozess „Gesundheit für alle“ unter fachlicher Begleitung der KGC Hessen einen gemeinsamen Lern- und Entwicklungsraum.
Gesundheitsförderung kommunal steuern – Perspektiven zur strategischen Verankerung
Referentin: Mechthild Paul, Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG)
Organisation
Die Veranstaltung wurde von der Koordinierungsstelle Gesundheitliche Chancengleichheit (KGC) Hessen organisiert. Die KGC Hessen ist bei der Hessischen Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung e. V. (HAGE) angesiedelt und Teil des bundesweiten Kooperationsverbundes Gesundheitliche Chancengleichheit.
Die KGC Hessen wird gefördert aus Mitteln des Hessischen Ministeriums für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege (HMFG) und der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-Bündnis für Gesundheit).
Foto: © HAGE