Veranstaltung

Die Ottawa-Charta: Kompass für die Zukunft der Gesundheitsförderung?

20.05.2026 – Jahresfachtag der KGC Hessen zum 40-jährigen Jubiläum der Ottawa-Charta

13. März 2026
Der Jahresfachtag nimmt das 40-jährige Jubiläum der Ottawa-Charta zum Anlass, die Entwicklung der Gesundheitsförderung in Deutschland zu reflektieren und zu diskutieren, wie die in der Charta formulierten strukturellen und politischen Ansprüche heute verstanden, umgesetzt und weiterentwickelt werden können.
Ein Papierboot ist inmitten vieler Pfeile auf einer Route unterwegs

Datum: 20.05.2026
Uhrzeit: 9:30-16:30 Uhr
Standort: Ort: Evangelische Akademie Frankfurt, Römerberg 9, 60311 Frankfurt am Main

Die Veranstaltung ist kostenfrei.

Hintergrund: Die Ottawa-Charta zur Gesundheitsförderung

40 Jahre ist es her, dass die Ottawa-Charta auf der ersten internationalen Konferenz zur Gesundheitsförderung der Weltgesundheitsorganisation (WHO 1986) verabschiedet wurde – bis heute gilt sie als zentrales Grundsatzdokument der Gesundheitsförderung. 

Sie definiert Gesundheitsförderung als „den Prozess, allen Menschen ein höheres Maß an Selbstbestimmung über ihre Gesundheit zu ermöglichen und sie damit zur Stärkung ihrer Gesundheit zu befähigen“ (WHO 1986). Gesundheit wird damit primär nicht als Ergebnis medizinischer Versorgung oder individuellen Gesundheitsverhaltens verstanden, sondern als Resultat von gesellschaftlichen, politischen und strukturellen Bedingungen, unter denen Menschen leben. Damit steht die kollektive Gestaltung gesundheitsförderlicher Lebensbedingungen, der Abbau sozialer Ungleichheiten sowie die politische Verantwortung von Staat und Gesellschaft für Gesundheit und Gerechtigkeit im Fokus der Ottawa-Charta.

Handlungsfelder und Strategien der Ottawa-Charta

Der Kern sind fünf Handlungsfelder (gesundheitsfördernde Gesamtpolitik, gesundheitsförderliche Lebenswelten, Gemeinschaftsaktionen stärken, persönliche Kompetenzen entwickeln, Gesundheitsdienste neu orientieren) und drei grundlegende Strategien der Gesundheitsförderung: Enable (befähigen), Advocate (anwaltschaftlich vertreten) und Mediate (vermitteln). Diese Strategien zielen darauf ab, Menschen und Gemeinschaften zu befähigen, ihre Gesundheit zu gestalten, Gesundheitsförderung als politisches und gesellschaftliches Anliegen sichtbar zu machen sowie die Zusammenarbeit zwischen unterschiedlichen Politikfeldern, Institutionen und Akteuren zu fördern. Die Ottawa-Charta betonte damit bereits die Notwendigkeit intersektoralen Handelns und einer gesundheitsfördernden Gesamtpolitik, die später unter dem Begriff Health in All Policies (HiAP) zusammengefasst wurde (WHO 1986, Kaba-Schönstein, L. 2018). 
In den vergangenen vier Jahrzehnten wurde die Ottawa-Charta weiterentwickelt und konkretisiert. So betont die Genfer Charta zur Gesundheitsförderung (2021) noch deutlicher Fragen von Macht, sozialer und globaler Ungleichheit, ökologischer Nachhaltigkeit sowie die Notwendigkeit verbindlicher politischer Verantwortung. Damit wird der Anspruch von Gesundheitsförderung als gesellschaftliches Transformationsprojekt betont (WHO 2021).

Aktuelle Herausforderungen für Gesundheitsförderung und Public Health

Gesundheitsförderung und Prävention stehen derzeit vor erheblichen Herausforderungen: 
Geopolitische Konflikte, klimawandelbedingte Naturkatastrophen sowie demokratiefeindliche Entwicklungen gefährden die Teilhabe großer Bevölkerungsgruppen. Zugleich haben diese Entwicklungen weitreichende gesundheitliche Auswirkungen und führen zu einer Verschiebung der politischen Aufmerksamkeit. 
Das Gesundheitssystem versucht, die Spätfolgen der Coronapandemie zu bewältigen und eine nachhaltige Finanzierung sicherzustellen. Gleichzeitig schreiten gesundheitliche und soziale Ungleichheiten in Deutschland weiter voran. 
In einem Vortrag betonte Prof. Dr. Ilona Kickbusch kürzlich, dass sich die sozialen, politischen und kommerziellen Determinanten von Gesundheit im Kontext globaler Krisen und beschleunigter technologischer Entwicklungen grundlegend verschieben. Gesundheitsförderung bedarf daher neuer strategischer Ansätze sowie erweiterter Public-Health-Kompetenzen, um den komplexen Anforderungen dieser Zeitenwende wirksam zu begegnen (Kickbusch, I. 2026). Die Entwicklungen erhöhen den Handlungsdruck deutlich. 
Trotz breiter wissenschaftlicher Evidenz und politischer Bekenntnisse bleibt die Umsetzung wirksamer gesundheitsförderlicher Strategien häufig fragmentiert, projektbezogen und unzureichend strukturell verankert (Kaba-Schönstein, L. 2018). 

8. Jahresfachtag der KGC Hessen
Die Ottawa-Charta: Kompass für die Zukunft der Gesundheitsförderung?

Die Ottawa-Charta zur Gesundheitsförderung feiert in diesem Jahr ihr 40-jähriges Jubiläum. Dies nimmt die Koordinierungsstelle Gesundheitliche Chancengleichheit (KGC) Hessen zum Anlass, die Bedeutung der zentralen Strategien der Charta – Enable, Advocate und Mediate – hinsichtlich heutiger gesellschaftlicher und politischer Rahmenbedingungen kritisch zu reflektieren und Impulse für die Zukunft der soziallagenbezogenen Gesundheitsförderung zu setzen. 

Im Mittelpunkt steht die Frage, wie die Leitideen der Ottawa-Charta angesichts wachsender sozialer Ungleichheiten, multipler Krisen und komplexer Strukturen wirksam umgesetzt und weiterentwickelt werden können. Dabei wird der Ansatz „Health in and for All Policies“ als handlungsleitendes Prinzip in den Blick genommen; er soll die intersektorale Verankerung von Gesundheit in politischen Entscheidungsprozessen stärken und gesundheitliche Chancengleichheit systematisch fördern. Entlang der Strategien der Ottawa-Charta diskutieren Vertreter*innen aus Wissenschaft, Politik und Praxis verschiedene Fokusthemen und aktuelle Herausforderungen der Gesundheitsförderung.

Fokus Kommune

Der KGC-Jahresfachtag möchte Raum schaffen für fachlichen Austausch, wissenschaftliche Einordnung und kontroverse Diskussion. Strukturelle und politische Rahmenbedingungen sollen mit konkreten Erfahrungen aus der kommunalen Praxis verbunden werden. Dabei soll nicht nur gefragt werden, was von der Ottawa bleibt, sondern wie die Leitideen der Charta unter veränderten gesellschaftlichen Bedingungen neu justiert werden müssen, damit Gesundheitsförderung auch in Zukunft wirksam und gerecht gestaltet werden kann. Ein besonderer Fokus liegt auf der kommunalen Ebene als zentrales Handlungsfeld der Gesundheitsförderung. 

Die Fachforen orientieren sich an den drei grundlegenden Strategien der Ottawa-Charta. Dazu werden erfolgreiche Praxisbeispiele aus hessischen Kommunen vorgestellt und gemeinsam reflektiert. Gefragt wird, wie die Strategien der Ottawa-Charta unter heutigen Bedingungen neu interpretiert und wirksam umgesetzt werden können. 

An wen richtet sich der Fachtag?

Der Fachtag richtet sich an Fachkräfte, kommunale Akteure, Kooperationspartner*innen und Interessierte aus den Bereichen Gesundheit, Bildung, Soziales, Wissenschaft, Umwelt, Verkehr und Stadtentwicklung, Jobcenter, Kinder- und Jugendhilfe, Familienzentren, Mehrgenerationenhäuser, Sport und aus vielen anderen Institutionen und Verbänden aus allen Regionen Hessens und bundesweit.

Gut vorbereitet in den Fachtag:

Zur inhaltlichen Vorbereitung auf den Jahresfachtag bietet die digitale Kurzveranstaltung „Gesundheitsförderung in der Kaffeepause” am 23.04.2026 um 9:30-11:00 Uhr eine kompakte Einführung in die Ottawa-Charta. 

 Die Ottawa-Charta verstehen – Leitideen für die Gesundheitsförderung

Das Programm wird fortlaufend aktualisiert.
Wir freuen uns über Ihr Interesse!

Tagesprogramm

Tagesmoderation: Dr. Tanja Busse

UhrzeitTagesprogramm
ab 09:00 UhrAnkommen & Anmeldung
9:30 Uhr

Begrüßung & Grußworte 

  • Ute Stettner, Hessisches Ministerium für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege
  • Dr. Axel Kortevoß, GKV-Bündnis für Gesundheit in Hessen
  • Dr. Katharina Böhm, Hessische Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung e.V. 
10:10 Uhr

Fachliche Einordnung der Ottawa-Charta „Was bleibt von Ottawa? Gesundheitsförderung im Spiegel gesellschaftlicher Krisen“

  • Prof. Dr. Susanne Moebus, Leitung des Instituts für Urban Public Health, Universitätsklinik Essen

10:50 UhrVernetzungs- und Austauschmöglichkeit mit Kaffee/Tee
11:10 Uhr

Bühnen-Talk

  • Prof. Dr. Susanne Moebus, Leitung des Instituts für Urban Public Health, Universitätsklinik Essen
  • Michael Windfuhr, stellvertretender Direktor des Deutschen Instituts für Menschenrechte
  • Saskia Banse, Referentin Prävention und Gesundheitsförderung, Verband der Ersatzkassen e. V.
  • N.N. 
12:20 UhrMittagspause 
13:15 Uhr

Über den Tellerrand „Gesundheitsziele Österreich – Ein Handlungsrahmen für eine gesundheitsförderliche Gesamtpolitik“ (Arbeitstitel)

  • Gabriele Gruber, Gesundheit Österreich GmbH
14:00 UhrÜbergang in die Fachforen
14:15 Uhr

Parallele Fachforen:

  • Enable (befähigen)
    • Moderation: Sabrina Kruse (KGC Hessen)
  • Advocate (anwaltschaftlich vertreten)
    • Moderation: Felix Koller (KGC Hessen)
  • Mediate (vermitteln)
    • Moderation: Ronja Rihlmann (KGC Hessen)
15:45 UhrHighlights aus den Fachforen – Take Home Message 
16:15 UhrAusblick und Abschluss
16:30 UhrEnde der Veranstaltung
Organisation

Die Veranstaltung wird von der Koordinierungsstelle Gesundheitliche Chancengleichheit (KGC) Hessen organisiert. Sie ist bei der Hessischen Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung e. V. (HAGE) angesiedelt.

Die KGC Hessen ist Teil des bundesweiten Kooperationsverbundes Gesundheitliche Chancengleichheit und wird mit Mitteln der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-Bündnis für Gesundheit) sowie durch das Hessische Ministerium für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege (HMFG) gefördert.

Literatur

Kaba-Schönstein, L. (2018): Gesundheitsförderung 1: Grundlagen. In: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) (Hrsg.), Leitbegriffe der Gesundheitsförderung und Prävention. Glossar zu Konzepten, Strategien und Methoden. https://doi.org/10.17623/BZGA:Q4-i033-1.0 (Zugriff am: 26.02.2026).

Köckler, H. & Geene, R. (2022): Gesundheit in allen Politikfeldern / Health in All Policies (HiAP). In: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) (Hrsg.), Leitbegriffe der Gesundheitsförderung und Prävention. Glossar zu Konzepten, Strategien und Methoden. https://doi.org/10.17623/BZGA:Q4-i157-1.0 (Zugriff am: 26.02.2026).

Public Health Schweiz (2026): 40 Jahre Ottawa Charta in der Schweiz – Gesundheitsförderung im Wandel. PPP Januar Ringvorlesung 2026 [PDF]. Verfügbar unter: https://public-health.ch/documents/2870/PPP_Januar_Ringvorlesung_2026_fin_Vj8Lhgt.pdf (Zugriff am: 26.02.2026).

World Health Organization (WHO) (2021): Geneva Charter for Well-being. Genf: WHO. Verfügbar unter: https://cdn.who.int/media/docs/default-source/health-promotion/geneva-charter-4-march-2022.pdf (Zugriff am: 26.02.2026).

World Health Organization (WHO) (1986): First International Conference on Health Promotion, Ottawa, 21 November 1986. Verfügbar unter: https://www.who.int/teams/health-promotion/enhanced-wellbeing/first-global-conference (Zugriff am: 26.02.2026).

Bild: © Lumaverse Gen. mit KI - stock.adobe.com