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Interkultrelle Gesundheitsaufklärung

Multiplikator*innenprojekt in der Mainspitze

Am 03.07.2019 fand in Ginsheim-Gustavsburg die Abschlussveranstaltung des Interkulturellen Gesundheitsprojektes in der Mainspitze statt. Das Projekt stellte eine Kooperation zwischen dem Caritasverband Offenbach/Main e.V. als Projektträger und dem Fachbereich Gesundheit und Verbraucherschutz des Landkreises Groß-Gerau als Kooperationspartner dar. Es hatte ein finanzielles Volumen von circa 38.000 €, wovon die UNO-Flüchtlingshilfe rund 23.000 € übernahm und weitere Drittmittel in Höhe von etwa 12.000 € seitens des Fachverbundes Gesundheit und Verbraucherschutz (Personal und Räume) und den beteiligten Kommunen akquiriert werden konnte. Eigenmittel, seitens des Caritasverbandes, wurden in Form von personellem Einsatz dem Projekt zugeführt. 

Das Projekt, mit einer Laufzeit von August 2018 bis Juli 2019, hatte die Sensibilisierung von Menschen mit Fluchterfahrung für ein gesundheitsbewusstes Leben zum Ziel. Für diese Zielerreichung und für die Stärkung der gesundheitlichen Chancengleichheit wurden Multiplikator*innen, meist selbst mit einem Fluchthintergrund, zu verschiedenen Gesundheitsthemen und zur Durchführung von Gesundheitsveranstaltungen geschult. Daran anschließend gaben die 13 Absolvent*innen das erlangte Wissen im Rahmen von kleinen Gesundheits-Treffs an Menschen mit Fluchterfahrung in der jeweiligen Muttersprache weiter. Am Ende des Projektes erhielten alle 13 ein Zertifikat. 

Themen und Sprachen der Gesundheits-Treff waren zum Beispiel: Verhütung in Amharisch, HIV/AIDS in Arabisch, Zahngesundheit in Tigrinya, Ernährung in Persisch, Kinder und Handynutzung in Arabisch und Rückenschule in Urdu.

Mit Blick auf das vergangene Jahr können folgende Meilensteine für das Gelingen des Projektes festgemacht werden:

  • Kontinuierlicher Austausch mit dem Gesundheitsamt in Frankfurt für die Anpassung des Projektes "Kommunale Gesundheitsinitiativen interkulturell (KoGi)" für die Mainspitze
  • Netzwerk- und kommunale Öffentlichkeitsarbeit für die Rekrutierung der Multiplikator*innen und auch anschließenden Implementierung
  • Inhaltliche und methodische Schulung der Multiplikator*innen, vor allem durch den Fachbereich Gesundheit und Verbraucherschutz und weitere einschlägige Institutionen
  • Regelmäßiges Monitoring für etwaige Projektanpassungen (z.B. Sichtung des Arbeits- und Finanzplans, Arbeitstreffen zwischen dem Caritasverband und Fachbereich Gesundheit und Verbraucherschutz, quantitative und qualitative Befragungen sowie Reflexionsrunden mit den Multiplikator*innen und Teilnehmer*innen an den Gesundheits-Treffs)
  • Gemeinsame Planung und Durchführung der Gesundheits-Treffs mit den Multiplikator*innen
  • Verstetigungstreffen mit allen Beteiligten und möglichen, zukünftigen Akteuren hinsichtlich der weiteren Zusammenarbeit mit den Multiplikator*innen
  • Projektevaluierung

Die wesentlichen „Lessons Learnt“ lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • „Man muss das Rad nicht neu erfinden“: Nutzen von bestehenden Ideen und Strukturen sehr effizient
  • Menschen mit Fluchterfahrungen besitzen hohes Potential für die Arbeit als Multiplikator*innen (z.B. bereits bestehendes Wissen, gemeinsame Lebenswelten, Sprache, Kultur)
  • Zur Planung und Umsetzung des Projektes war die Partizipation von Menschen mit Fluchterfahrung erfolgversprechend
  • Vorhandene und neue Netzwerke zwischen verschiedenen Akteuren erleichterten enorm die Implementierung des Projektes (Akteure: Menschen mit Fluchterfahrungen, Caritasverband, Fachbereich Gesundheit und Verbraucherschutz, Büro für Integration, Gemeinden, lokale Flüchtlingshilfe, Ausländerbeirat, Interkulturelles Büro in Rüsselsheim)
  • Gesundheit muss eine gemeinschaftliche Aufgabe unterschiedlicher Arbeitsbereiche sein (intersektorale Zusammenarbeit)
  • Vortragsplattformen und „Face-To-Face“ Kontakte waren nützlich für die Verbreitung des Projektes
  • Inhaltliche und methodische Schulungen für die Multiplikator*innen sollten für einen möglichst hohen Lerneffekt interaktiv gestaltet werden
  • Für eine adäquate Handlungskompetenz sollten die Fach,- Methoden-, Sozial- und Selbstkompetenz der Multiplikator*innen geschult werden
  • Nach den Schulungen war für die anstehenden Gesundheits-Treffs eine kontinuierliche Unterstützung seitens einer pädagogischen Fachkraft sehr hilfreich
  • Das Format der Gesundheits-Treffs von max. 15 Teilnehmer*innen hatte sich bewährt (Vertrauensaufbau, offene Gespräche, jede(r) kann sich einbringen etc.)
  • Gesundheits-Treffs sollten innerhalb der Lebenswelten der Zielgruppe angeboten werden (z.B. Familienzentren, Moschee, Gemeinschaftshaus, Verein)
  • Religiöse und kulturelle Zeiten sollten bei der Planung der Gesundheits-Treffs berücksichtigt werden.


Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass mit den geschulten Multiplikator*innen nun ein Potpourri an Gesundheitswissen mit verschiedenen Schwerpunkten besteht. Eine weitere Zusammenarbeit mit den Multiplikator*innen ist wünschenswert.Erste Ideen wurden bereits besprochen und weitere Gespräche sind vorgesehen.

Informationen können eingeholt werden bei: Melanie Lutz (melanie.lutz@cv-offenbach.de) und Anna Katharina Helbig (a.helbig@kreisgg.de).