nachricht
Psychosoziale Gesundheit von Menschen in Erwerbslosigkeit stärken
Bericht zum teamw()rk-Jahresfachtag am 22.09.2026

Am 22. September 2026 fand in Frankfurt der Jahresfachtag des Programms teamw()rk für Gesundheit und Arbeit zum Thema „Psychosoziale Gesundheit in der Lebenslage Erwerbslosigkeit kommunal stärken – Praxisnahe Ansätze und nachhaltige Strukturen“ statt.
Soziale Teilhabe stärken und verlässliche Strukturen schaffen
Psychosoziale Gesundheit in der Lebenslage Erwerbslosigkeit: Strategien und Ansätze der Gesundheitsförderung
Prof. Dr. Alfons Hollederer von der Universität Kassel zeigte in seinem Vortrag den wechselseitigen Zusammenhang zwischen Erwerbslosigkeit und Gesundheit auf: Krankheit erhöht das Risiko, erwerbslos zu werden, während Erwerbslosigkeit die Gesundheit belasten und die Rückkehr in Arbeit erschweren kann. Besonders betroffen ist die psychische Gesundheit, deren Belastung mit der Dauer der Erwerbslosigkeit im Durchschnitt zunimmt. Gesundheitsförderung zeigt nachweislich positive Effekte. Besonders erfolgreich waren Maßnahmen, die auf Freiwilligkeit und Partizipation setzten. Verpflichtende Angebote zeigten keine nachweisbare Wirkung.
Referent: Prof. Dr. Alfons Hollederer, Theorie und Empirie des Gesundheitswesens, Universität Kassel

Wie die Stärkung psychosozialer Gesundheit in der Praxis konkret aussehen kann, zeigten die Programmkoordinatorinnen von teamw()rk anhand verschiedener Angebote: Beispielsweise fördert das Café Wohlzeit Begegnung und Empowerment, I AM ME – Queer Care Frankfurt schafft einen diskriminierungssensiblen Raum für Austausch.
Im Gespräch mit Anja Uth (HAGE) berichtete Iris Klapper, Kursleiterin des Spaziergehtreffs in Maintal, aus der Praxis: An die Gruppe angepasste Spaziergänge verbinden Bewegung mit Austausch und Zugehörigkeit – ohne sportliche Anforderungen.
Referierende: Kristina Salman und Melissa Dietsch, Programm „teamw()rk für Gesundheit und Arbeit“, HAGE
Vortrag als Download (PDF)

Workshop 1: Gesundheitsorientierte Beratung strukturell im Jobcenter verankern
Im Workshop 1 wurden hohe Fallzahlen, Zeit- und Vermittlungsdruck als Hürden benannt. Strukturelle Verankerung braucht bessere Rahmenbedingungen, Qualifizierung, klare Zuständigkeiten und Vernetzung.
Referierende: Nicole Schuster-Pütz, Jobcenter Neue Wege Kreis Bergstraße
Workshop 2: Psychosoziale Ressourcen im Jobcenter stärken
Nicole Nouidha und Jana Bieker (Jobcenter Limburg-Weilburg) stellten das mit dem Programm teamw()rk entwickelte Gruppenangebot „Stark für morgen“ vor. Nach dem Grundsatz „Stabilisierung vor Aktivierung“ fördert es Selbstwirksamkeit, Gesundheitskompetenz und den Zugang zu Hilfsangeboten.
Referierende: Nicole Nouidha und Jana Bieker, Jobcenter Limburg-Weilburg
Workshop 3: Netzwerkarbeit zur Stärkung psychosozialer Gesundheit
Im Workshop 3 wurde deutlich: Unterschiedliche Lebenslagen erfordern individuelle Unterstützung. Nötig sind niedrigschwellige Zugänge, qualifizierte Fachkräfte und verbindliche kommunale Vernetzung mit abgestimmten Übergängen zwischen den Hilfesystemen.
Referierende: Bettina Busch, Dominik Beaunée, Dr. Anna Katharina Helbig und Dr. med. Monica Schol-Tadic, Gesundheitsamt Groß-Gerau
Workshop 4: Psychosoziale Gesundheit in der kommunalen Gesamtstrategie
Im Workshop 4 ging es darum, psychosoziale Gesundheit über einzelne Angebote hinaus kommunal zu verankern und gesundheitliche Chancen zu verbessern. Entscheidend sind die Nutzung bestehender Gremien und Planungsprozesse, das Sichtbarmachen der Bedarfe und Perspektiven von Menschen in Erwerbslosigkeit, klare Verantwortlichkeiten und politische Unterstützung.
Referierende: Ronja Rihlmann, Koordinierungsstelle gesundheitliche Chancengleichheit (KGC) Hessen, HAGE, Anne Heimann und Melissa Dietsch, Programm „teamw()rk für Gesundheit und Arbeit“, HAGE
Fazit: Psychosoziale Gesundheit braucht gemeinsames Handeln
Der Jahresfachtag verdeutlichte, dass die psychosoziale Gesundheit von Menschen in Erwerbslosigkeit nur durch gemeinsames Handeln nachhaltig gestärkt werden kann. Einzelangebote allein reichen dafür nicht aus. Entscheidend sind die Beteiligung der Menschen in Erwerbslosigkeit, eine verbindliche Zusammenarbeit zwischen den Hilfesystemen und tragfähige kommunale Strukturen.
Wir sagen Danke!
Das Team von „teamw()rk für Gesundheit und Arbeit“ bedankt sich bei allen Mitwirkenden für ihre wertvollen Beiträge und den fachlichen Austausch. Der Jahresfachtag wurde vom Programm teamw()rk Hessen durchgeführt, dessen Koordination bei der HAGE angesiedelt ist.
Fotos: © HAGE
Titelbild: KI-gereriert mit ChatGPT