nachricht
Präventionsketten strategisch gestalten
Warum Amts- und Bereichsleitungen für erfolgreiche Präventionsketten entscheidend sind
Prävention als kommunale Querschnittsaufgabe
Ein gelingendes und gesundes Aufwachsen von Kindern und Familien ist eine Querschnittsaufgabe kommunalen Handelns. Jugendhilfe, Gesundheit, Soziales, Bildung, Stadtentwicklung, Frühe Hilfen, Teilhabe und weitere Handlungsfelder wirken darauf ein. Damit folgt der Ansatz dem Prinzip „Health in All Policies“: Gesundheit wird als gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstanden und in allen Politikfeldern mitgedacht.
Präventionsketten machen diesen Anspruch vor Ort konkret. Als integrierte kommunale Gesamtstrategie verbinden sie unterschiedliche Bereiche und stimmen Strukturen, Netzwerke und Angebote besser aufeinander ab. So können Kinder, Jugendliche und Familien verlässlicher erreicht werden - insbesondere dort, wo Zugänge zu Unterstützung erschwert sind.
Damit aus vielen Einzelangeboten eine abgestimmte kommunale Strategie wird, braucht es mehr als operative Zusammenarbeit. Erforderlich sind verbindliche Strukturen, geklärte Verantwortlichkeiten und die Unterstützung derjenigen, die strategische Entscheidungen mittragen: Amts- und Bereichsleitungen.
Strategischer Rückhalt für gelingende Präventionsketten
Amts- und Bereichsleitungen verantworten in ihren Ämtern Zuständigkeiten, Prioritäten und Ressourcen. Dadurch haben sie entscheidenden Einfluss darauf, wie Präventionskettenarbeit in der Verwaltung aufgegriffen und weiterentwickelt wird. Sie können gemeinsame Ziele schärfen, Verantwortlichkeiten klären und ressortübergreifende Zusammenarbeit verbindlich machen.
Besonders wichtig ist dieser Rückhalt für die Koordinationsfachkräfte. Eine klare Legitimation durch die Leitungsebene stärkt ihre Position innerhalb der Verwaltung und gibt ihnen den notwendigen Handlungsspielraum, um ressortübergreifende Prozesse anzustoßen, zu moderieren und verbindlich zu begleiten. Wo mehrere Ämter und Zuständigkeiten zusammenkommen, entsteht so ein wichtiger Rahmen für Kooperation auf Augenhöhe.
Präventionsketten brauchen eine gemeinsame Haltung
Strukturen allein schaffen noch keine gelingende Zusammenarbeit. Präventionsketten brauchen auch eine gemeinsame Haltung: die Bereitschaft, andere fachliche Perspektiven und gesetzliche Zuständigkeiten anzuerkennen, eigene Routinen zu hinterfragen und Verantwortung gemeinsam zu tragen.
Das ist besonders relevant, wenn unterschiedliche Fachlogiken, Sprachen, Arbeitskulturen und Prioritäten aufeinandertreffen. Amts- und Bereichsleitungen prägen die Kultur der Zusammenarbeit, indem sie Offenheit fördern, unterschiedliche Perspektiven zusammenführen und deutlich machen, dass Kooperation über Amtsgrenzen hinweg gewollt ist.
Eine solche Haltung schafft Vertrauen und eröffnet den Raum, auch schwierige Fragen gemeinsam anzugehen: Wo bestehen Versorgungslücken? Wo arbeiten Strukturen noch nebeneinander? Und welche Familien werden mit den bestehenden Angeboten bislang nicht ausreichend erreicht?
Veränderung braucht Orientierung und Ausdauer
Präventionsketten sind mehr als ein neues Kooperationsformat – sie sind ein langfristiger Veränderungsprozess. Sie berühren bestehende Abläufe, Zuständigkeiten und Routinen und können damit auch Irritationen auslösen. Schnittstellen müssen neugestaltet, Verantwortlichkeiten ausgehandelt und gewohnte Arbeitsweisen weiterentwickelt werden.
Gerade in solchen Prozessen kommt der Leitungsebene eine wichtige Orientierungsfunktion zu. Amtsleitungen können Prioritäten setzen, Veränderungen legitimieren und deutlich machen, dass Präventionskettenarbeit nicht zusätzlich zu bestehenden Aufgaben stattfindet, sondern Teil einer langfristigen kommunalen Strategie ist.
Gleichzeitig braucht strukturelle Veränderung Zeit. Präventionsketten entstehen nicht durch einen einzelnen Beschluss. Ihre Wirkung entwickelt sich durch kontinuierliche Abstimmung, gemeinsames Lernen und die Bereitschaft, Strukturen Schritt für Schritt weiterzuentwickeln. Verbindlichkeit und Geduld sind deshalb gleichermaßen gefragt.
Strategischer Austausch für die Arbeit in den Kommunen
Wie Amts- und Bereichsleitungen diese Rolle in ihrer Kommune ausgestalten können, war Thema eines Amtsleitungsworkshops am 24. Juni 2026 von 10:00 bis 13:30 Uhr im Landesprogramm Präventionsketten Hessen. Eingeladen waren Amts- und Bereichsleitungen aus Jugendamt, Sozialamt und Gesundheitsamt der bisherigen und neuen Präventionskettenkommunen.
Der Austausch wurde durch einen fachlichen Impuls von Christoph Gilles zum Thema „Erfolgreiche Präventionsketten brauchen Strukturen und Strategien“ eröffnet. Im Mittelpunkt standen anschließend gemeinsame Herausforderungen und Lösungsansätze: politische Unterstützung gewinnen, Netzwerke tragfähig gestalten, Rollen und Aufträge klären und auch bei begrenzten Ressourcen handlungsfähig bleiben.
Als besonders hilfreich wurden konkrete, sichtbare Schritte benannt. Solche „Quick Wins“ können zeigen, dass ressortübergreifende Zusammenarbeit Wirkung entfaltet, und Politik wie Verwaltung für die weitere Präventionskettenarbeit gewinnen. Zugleich bot der Workshop den Teilnehmenden die Möglichkeit, Erfahrungen aus unterschiedlichen Kommunen zu vergleichen und Impulse für die eigene Arbeit mitzunehmen.
Die Rückmeldungen zum Workshop waren sehr positiv. Das Landesprogramm Präventionsketten Hessen plant auch im kommenden Jahr ein Austauschformat für Amtsleitungen anzubieten.
Das Landesprogramm „Präventionsketten Hessen – Gelingendes Aufwachsen, Kinderrechte leben” wurde 2022 vom Hessischen Ministerium für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege gemeinsam mit Auridis und der HAGE ins Leben gerufen. Finanziell tragen das Hessische Ministerium für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege (HMFG), das Hessische Ministerium für Arbeit, Integration, Jugend und Soziales (HMSI) und Auridis das Landesprogramm gemeinsam. Die bei der HAGE angesiedelte Landeskoordinierungsstelle setzt das Programm fachlich und organisatorisch um. Weitere Informationen zum Landesprogramm gibt es unter: https://www.praeventionsketten-hessen.de
Bleiben Sie auf dem Laufenden: In unserem HAGE-Newsletter kündigen wir unsere Veranstaltungen an und informieren über aktuelle Themen rund um Gesundheitsförderung und Prävention.