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Gesund altern in der Kommune – Zusammenhalt vor Ort gestalten

Bericht zum Fachtag am 19.08.2026

2. September 2026
Wie können Kommunen Bedingungen schaffen, die Begegnung, Teilhabe und sozialen Zusammenhalt im Alter fördern? Der Fachtag griff diese Frage praxisnah auf. Der Veranstaltungsbericht gibt einen Überblick über die Inhalte, Praxisbeispiele und zentralen Themen der Veranstaltung.
Ein rotes und ein blaues Seil, die in der Mitte miteinander verschlungen sind

Soziale Beziehungen, Zugehörigkeit und Teilhabe tragen wesentlich zu Gesundheit, Lebensqualität und gesellschaftlichem Zusammenhalt bei. Kommunen können dafür viel bewirken: Sie gestalten Orte, stärken Netzwerke und schaffen Möglichkeiten für Begegnung. Wie das vor Ort gelingen kann, zeigte der Fachtag „Gesund altern in der Kommune – Zusammenhalt vor Ort gestalten“. Vorgestellt und diskutiert wurden unterschiedliche Ansätze – von Nachbarschaftsarbeit und Dritten Orten über aufsuchende und telefonische Kontaktformate bis hin zu digitalen Angeboten.

Mehr als 100 Teilnehmende aus Kommunen, Seniorenbeiräten und Wohlfahrtsverbänden kamen dazu in Frankfurt am Main zusammen.

Grußwort und Impulsvortrag

Zum Auftakt machte Prof. Dr. Christian Raible, Staatssekretär im Hessischen Ministerium für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege (HMFG), deutlich, wie wichtig gute kommunale Rahmenbedingungen für soziale Beziehungen, Teilhabe und Zusammenhalt im Alter sind.

Dr. Katharina Böhm, Geschäftsführerin der HAGE, rückte in ihrer Begrüßung das Thema Einsamkeit in den Fokus. Sie zeigte, dass Einsamkeit weit über das persönliche Erleben hinausreicht: Sie kann die Gesundheit belasten und sich auch auf gesellschaftliche Teilhabe und demokratischen Zusammenhalt auswirken.

Dr. Ludger Klein vom Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik e. V. (ISS) / Kompetenznetz Einsamkeit (KNE) ordnete Einsamkeit als gesellschaftliches Phänomen ein. Einsamkeit ist nicht dasselbe wie Alleinsein oder soziale Isolation. Sie entsteht, wenn Menschen ihre sozialen Beziehungen als unzureichend erleben. Hält Einsamkeit länger an, kann sie sich auf die körperliche und psychische Gesundheit ebenso auswirken wie auf Zusammenhalt, Engagement und Vertrauen.

Arbeitsphase und Austausch

Danach ging es um die kommunale Praxis. In Kleingruppen sammelten die Teilnehmenden konkrete Fragen und Herausforderungen zu den fünf Gestaltungsfeldern „Menschen erreichen“, „Begegnungen ermöglichen“, „Teilhabe erweitern“, „Übergänge begleiten“ und „Koordination sichern“.

Dabei zeigte sich, dass viele Kommunen vor ähnlichen Aufgaben stehen: Wie lassen sich schwer erreichbare Menschen besser ansprechen? Welche niedrigschwelligen Begegnungs- und Teilhabemöglichkeiten braucht es vor Ort? Wie können Nachbarschaft, Mobilität und generationenübergreifende Ansätze gestärkt und bestehende Angebote besser aufeinander abgestimmt werden? Diese Fragen bildeten die Grundlage für das World Café am Nachmittag.

Grafik mit Gestaltungsfeldern um  Zusammenhalt vor Ort zu gestalten

World Café: Praxis kennenlernen

Im Worl Café standen Erfahrungen aus der Praxis im Mittelpunkt. An verschiedenen Thementischen stellten Praxisakteurinnen und -akteure ihre Ansätze vor und tauschten sich mit den Teilnehmenden über Erfolgsfaktoren, Herausforderungen und die Übertragbarkeit auf andere Kommunen aus.

Folgende Praxisbeispiele wurden vorgestellt:

  • Präventiver Hausbesuch – Beratung und Information rund ums Älterwerden in Kassel: Ein frühzeitiges, freiwilliges und niedrigschwelliges Beratungsangebot, das ältere Menschen zu Hause erreicht und zu Themen rund ums Älterwerden informiert.
  • Dritte Orte öffnen: Kulturelle Orte: Das Beispiel zeigte, wie Kulturorte und andere vorhandene Räume zu niedrigschwelligen Begegnungsorten weiterentwickelt und für unterschiedliche Zielgruppen geöffnet werden können.
  • Social Prescribing – Rezepte gegen Einsamkeit: Das Gesundheitsamt Frankfurt vermittelt Menschen, die sich einsam fühlen, in kostenfreie Bewegungs-, Entspannungs- und Kreativangebote und verbindet damit persönliche Beratung und soziale Teilhabe.
  • StadtLand.Funk – Der Draht zur Region: Die App des Wetteraukreises vernetzt Kommunen, Vereine sowie Bürgerinnen und Bürger digital und macht lokale Informationen und Veranstaltungen leichter zugänglich.
  • Fernwalder CaféDigital: Das Angebot der Gemeinde Fernwald verbindet Unterstützung bei digitalen Fragen mit einem offenen, geselligen Treffpunkt und zeigt damit, wie digitale und soziale Teilhabe zusammengedacht werden können.
  • „Zusammenhalt in Selbsthilfegruppen finden“ – LAKOS Hessen: Im Mittelpunkt stand die Bedeutung von Selbsthilfegruppen für gegenseitige Unterstützung, Zugehörigkeit und den Umgang mit Einsamkeit und sozialer Isolation.
  • Der Alltags-Fitness-Test im Landkreis Groß-Gerau: Der Alltags-Fitness-Test verbindet Bewegungsförderung für Menschen ab 60 Jahren mit persönlicher Ansprache, ehrenamtlichem Engagement und dem Aufbau kommunaler Netzwerke.
  • AGIL – Bewegung, Teilhabe und soziale Interaktion im häuslichen Umfeld: Geschulte Ehrenamtliche besuchen hochaltrige Menschen zu Hause und verbinden einfache Bewegungsübungen mit Begegnung, Gespräch und sozialer Teilhabe.
  • Soziales Mentoring wirkt! – Freiwilligen-Zentrum Wiesbaden: Anhand der Wiesbadener Patenprojekte wurde gezeigt, wie verlässliche Tandembeziehungen Empowerment und soziale Einbindung fördern können und welche Bedeutung professionelle Koordination für Mentoringprojekte hat.
  • Gemeinsam älter werden in Ginsheim-Gustavsburg: Das kommunale Gesamtkonzept verbindet bestehende Angebote und lokale Akteurinnen und Akteure mit dem Ziel, generationenübergreifende Unterstützung zu stärken und Versorgungslücken zu verringern.
  • Plaudernetz – Gespräche verbinden: Das telefonische Angebot der Malteser ermöglicht Menschen niedrigschwellig Gespräche und sozialen Kontakt und wird durch ein großes Netzwerk freiwilliger Plauderpartnerinnen und Plauderpartner getragen.

Der Wechsel zwischen den Thementischen brachte unterschiedliche Perspektiven zusammen und schuf Raum für eigene Fragestellungen. So entstanden konkrete Anregungen für die Weiterentwicklung vor Ort.

Zum Abschluss

Zum Abschluss wurden die wichtigsten Erkenntnisse gebündelt. Über die verschiedenen Praxisbeispiele hinweg wurde deutlich: Für mehr Zusammenhalt vor Ort braucht es nicht vor allem neue Angebote, sondern gute Zugänge zu dem, was bereits da ist – niedrigschwellige Begegnungsmöglichkeiten, tragfähige Nachbarschaften und eine verlässliche Vernetzung bestehender Strukturen. Entscheidend ist, Menschen, Angebote, Orte und Akteurinnen und Akteure besser miteinander zu verbinden.

Ein herzlicher Dank gilt allen Referierenden, Tischgastgeberinnen und Tischgastgebern sowie Teilnehmenden, die mit ihren Erfahrungen, Fragen und Perspektiven zum lebendigen Austausch und zum Gelingen des Fachtags beigetragen haben.

Titelbild: © peterschreiber-media-stock.adobe.com
Fotos: © HAGE/AndreasMann.net 
Grafik Gestaltungsfelder: © HAGE/erstellt mit Canva