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Kita-Konzeption mit Wirkung: Gesundheitsförderung als gelebter Alltag
Im Gespräch mit der Praxis: Kita Krähenwinkel

Auf der Suche nach guten Praxisbeispielen ist die Fachstelle Gesundheitsfördernde Kita auf die Kita Krähenwinkel aufmerksam geworden, die das Thema Gesundheitsförderung umfassend in ihrer Konzeption verankert hat. Die Fachstelle konnte die Leitung der Kita Krähenwinkel, Melanie Lüschen, für ein Interview zum Thema Gesundheitsförderung in der Kita-Konzeption gewinnen. Das Gespräch führte Carolin Schindler von der HAGE im Mai 2025. Im Folgenden sind die zentralen Inhalte aus dem Gespräch zusammengefasst.
Aus dem Gespräch mit Melanie Lüschen – Leitung Kita Krähenwinkel
Gesund auf mehreren Ebenen – ein ganzheitlicher Ansatz entsteht
In der Kita Krähenwinkel entwickelte sich über die Jahre ein ganzheitlicher Gesundheitsansatz – ausgehend von konkreten Beobachtungen und Bedarfen im Alltag. So haben sich schrittweise die Schwerpunkte Bewegung, Ernährung und psychosoziale Gesundheit herausgebildet.
Der Fokus auf gesunde Ernährung entstand beispielsweise aus der Beobachtung, dass die mitgebrachten Brotdosen der Kinder stark variierten. Während einige Kinder ausgewogene Mahlzeiten mitbrachten, fehlte es anderen an Vielfalt und Nährwert. Daher entschied sich das Team, zur Selbstversorger-Kita zu werden. Sämtliche Mahlzeiten werden nun in der Einrichtung bereitgestellt, sodass das Mitbringen entfällt. Dies dient nicht nur der gesunden Verpflegung, sondern fördert auch die soziale Gerechtigkeit.
„Gesundheit ist ein Grundrecht – jedes Kind soll sich nach eigenen Bedürfnissen satt essen können.“
Die Speisen werden täglich frisch zubereitet, wobei viele Zutaten aus der Region stammen. Kinder gestalten den Speiseplan mit, der sich an den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung orientiert. Gleichzeitig werden Selbstwirksamkeit und Eigenverantwortung gestärkt, beispielsweise durch das eigenständige Tischdecken sowie durch Koch- und Backaktionen. Auch frisches Obst und Gemüse sind bei den Kindern sehr beliebt.
Der Bereich Bewegung wurde durch die frühere Leitung, sie war selbst Leichtathletiktrainerin, stark ausgebaut. Unter dem Markenzeichen „Bewegungskita” besuchte das Team zahlreiche Fortbildungen, erhielt praxisnahe Materialien und arbeitete eng mit der Gemeindeunfallversicherung zusammen.
Die psychosoziale Gesundheit wird durch das Jolinchen-Programm der AOK gefördert, mit der eine langjährige Zusammenarbeit besteht.
Darüber hinaus wird auf ausreichend Schlaf und Entspannung geachtet: Alle Krippenkinder schlafen in der Kita, ohne geweckt zu werden. Müde Kinder können sich frühzeitig ausruhen. Auch für ältere Kinder gibt es eine tägliche Entspannungspause mit ruhigen Aktivitäten.
Gesundheitsförderung in der Konzeption verankern – ein fortlaufender Prozess
Aktuell überarbeitet das Team die Konzeption erneut, da sich die Rahmenbedingungen verändert haben: Das Team ist gewachsen und es sind neue Anforderungen hinzugekommen. Eine Konzeption ist ein lebendiges, dynamisches Dokument, das regelmäßig reflektiert und angepasst werden sollte.
Zwei- bis dreimal jährlich wird an Studientagen intensiv daran gearbeitet. Dabei wird geprüft, welche Inhalte noch gelebt werden, was bleiben kann und was nicht mehr passt. Die Auseinandersetzung erfolgt schrittweise: Textauszüge werden in Kleingruppen bearbeitet und anschließend im Plenum diskutiert. Wichtig ist, dass alle Mitarbeitenden die Konzeption kennen und dass sie der pädagogischen Praxis entspricht. Das Team reflektiert, was realistisch umsetzbar ist.
Herausforderungen in der Umsetzung
„Es steht und fällt mit dem Engagement des Personals.“
Die größte Herausforderung ist der Personalmangel. Nur bei voller Besetzung können alle Maßnahmen umgesetzt werden. Viele Aktionen werden geplant, fallen bei Krankheit zum Teil aus, was zu Frust führt. Ernährung und Bewegung lassen sich meist gut realisieren, psychosoziale Gesundheit hingegen ist schwerer greifbar. Sie ist nicht messbar und hängt stark von den familiären Bedingungen ab.
Empfehlungen für die Konzeptentwicklung
Gesundheitsförderung in der Konzeption zu verankern, ist ein Prozess und keine „Hauruckaktion“. Ein guter Einstieg ist die Einbindung externer Partnerinnen wie Krankenkassen, Expertinnen, Markenprogramme oder Fachberatungen. Diese bieten wertvolle Begleitung, Fortbildungen und Materialien. Zudem empfiehlt Frau Lüschen, Netzwerke zu nutzen, beispielsweise durch die Teilnahme an Fachtagen oder den Austausch mit anderen Kitas, um von Erfahrungen und Wissen zu profitieren.
„Die Workshops waren super! Im Anschluss muss jedoch jede Einrichtung für sich erarbeiten, wie und was sie umsetzen möchte.“
Fazit
Die Kita Krähenwinkel zeigt eindrucksvoll, wie sich Gesundheitsförderung ganzheitlich im Kita-Alltag umsetzen lässt. Die drei Schwerpunkte Ernährung, Bewegung und psychosoziale Gesundheit greifen ineinander, basieren auf einem schrittweisen Aufbau und erfordern externe Unterstützung sowie kontinuierliche Teamreflexion. Besonders hervorzuheben ist das Engagement für Chancengleichheit, das sich beispielsweise in der Selbstversorgerstruktur widerspiegelt. Gleichzeitig macht das Beispiel deutlich: Ohne ausreichend Personal geraten viele Maßnahmen an ihre Grenzen. Doch der Einsatz lohnt sich – für eine gesunde Entwicklung der Lebenswelt Kita!
Foto: @ Melanie Lüschen