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Die HAGE: Aktiv auf dem Kongress Armut und Gesundheit 2025

Gesundheit fördern, heißt Demokratie fördern

25. März 2025
Auch in diesem Jahr war die HAGE mit zahlreichen Mitarbeitenden auf dem bundesweiten Kongress Armut und Gesundheit vertreten. In Workshops, Diskussionen und Fachimpulsen brachte die HAGE ihre Expertise zu verschiedenen Themen ein.
Mitarbeitende auf dem Kongress A&G 2025
Mitarbeitende der HAGE auf dem Kongress Armut & Gesundheit 2025


Vom 18. bis 20. März 2025 versammelten sich rund 1.400 Teilnehmende zum 30. Kongress Armut und Gesundheit in Berlin, um über aktuelle Herausforderungen und Lösungen im Bereich der Gesundheitsförderung zu diskutieren. Die Veranstaltung brachte Expert*innen aus Wissenschaft und Praxis, Vertreter*innen aus Politik und Verwaltung sowie Menschen mit eigener (Armuts-)Erfahrung zusammen. Mit über 90 Veranstaltungen bot das Programm eine große thematische Vielfalt – von Frühen Hilfen über Migrations- und Gesundheitspolitik bis hin zu Klimawandel und Pflege.

Unter dem Kongressmotto „Gesundheit fördern, heißt Demokratie fördern“ stand insbesondere die enge Verbindung zwischen Gesundheitsförderung und demokratischer Teilhabe im Fokus. Wie im offiziellen Diskussionspapier dargelegt, sind demokratische Mitbestimmung und soziale Unterstützung wesentliche Faktoren für die Gesundheit. Wer an gesellschaftlichen Prozessen teilhaben kann, erfährt Selbstwirksamkeit, stärkt das Vertrauen in Institutionen und erhält soziale Unterstützung.

Die HAGE war mit einem engagierten Team vertreten und beteiligte sich aktiv an Podiumsdiskussionen, Workshops und Fachimpulsen. Mit ihren Beiträgen leistete die HAGE wertvolle Impulse zur Weiterentwicklung gesundheitsförderlicher Strukturen und unterstützte die Vernetzung von Akteur*innen aus Praxis, Wissenschaft und Politik. 

Kommunale Strukturen nachhaltig sichern

Bereits im Rahmen der Satellitenveranstaltung zum Kongress am 14. März 2025 brachte sich die HAGE aktiv in die Diskussion ein. Ein zentraler Programmpunkt war die Podiumsdiskussion „Bridge Over Troubled Water: Wie können kommunale Strukturen nun abgesichert werden?“, moderiert von Prof. Dr. Heike Köckler (Hochschule Bochum). Neben HAGE-Geschäftsführerin Dr. Katharina Böhm beteiligten sich Prof. Dr. Dennis John (Evangelische Hochschule Nürnberg) , Klaus Völkel (Stadt Witten/Gesunde Städte-Netzwerk) und Rebecca Zeljar (Verband der Ersatzkassen – vdek, Landesvertretung Berlin/Brandenburg) an der Diskussion.

Einleitend betonte Prof. Dr. Heike Köckler, dass eine langfristige Sicherung kommunaler Strukturen nicht allein durch weitere Förderungen erreicht werden könne. Vielmehr sei es notwendig, die Verstetigung von Beginn an als Kernziel zu verfolgen. 
Dr. Katharina Böhm unterstrich die Bedeutung einer frühzeitigen Strategie zur Verstetigung von Projektstellen sowie die Notwendigkeit kontinuierlicher Lobbyarbeit. Die Teilnehmenden hoben hervor, dass Networking und gezielte Öffentlichkeitsarbeit entscheidend sind, um geschaffene Strukturen dauerhaft zu etablieren.

Es bestand Einigkeit darüber, dass koordinierende Stellen auf kommunaler Ebene unverzichtbar sind, jedoch nur mit qualifiziertem Personal nachhaltig wirken können. Wirkungsorientierung wurde als entscheidender Faktor benannt, um tragfähige Strukturen aufzubauen und langfristige Unterstützung sicherzustellen. Abschließend wurde die Bedeutung von Partizipation und Vernetzung hervorgehoben. Kommunale Gesundheitskonferenzen können eine Schlüsselrolle spielen, um Netzwerke zu stärken und die kommunale Steuerung zu verbessern. 

Wirkungsorientierung und Partizipation in der kommunalen Gesundheitsförderung

Rajni Kerber (HAGE, Arbeitsbereich „Gesundheitliche Chancengleichheit“), moderierte im Rahmen der Satellitenveranstaltung gemeinsam mit Prof. Dr. Dennis John und Sebastian Ottmann von der Evangelischen Hochschule Nürnberg den Workshop „Effekte GKV-geförderter Projekte und Ansätze der partizipativen Wirkungsforschung in der kommunalen Gesundheitsförderung“. 

Zentrale Erkenntnisse aus dem Workshop zeigten, dass Partizipation ein entscheidender Erfolgsfaktor für Gesundheitsförderungsprojekte ist – insbesondere bei einer hohen Beteiligung von Menschen mit Migrationsgeschichte. Darüber hinaus wurde die zunehmende Nutzung von Interventionsdatenbanken thematisiert. Diese können eine wichtige Rolle spielen, indem sie wissenschaftlich abgesicherte und gut dokumentierte Maßnahmen der Prävention und Gesundheitsförderung (MPG) bereitstellen. Dadurch kann wissenschaftliche Evidenz zur Wirksamkeit einzelner Maßnahmen in lokale Entscheidungsprozesse einfließen und zur Qualitätsentwicklung beitragen. Zudem wurde deutlich, dass digitale Tools wie App-basierte Datenerfassung auf große Nachfrage stoßen, da sie die systematische Erhebung und Analyse von Wirkungsdaten erleichtern.

Ein weiteres zentrales Thema war die Wirkungsorientierung: Sie bildet den ersten Schritt zur Evidenz und kann dabei helfen, gesundheitsfördernde Maßnahmen in Gremien und Ausschüssen besser zu legitimieren. Die Evangelische Hochschule Nürnberg betonte ihre Offenheit für den fachlichen Austausch, insbesondere zur Wirkungsplausibilisierung kommunaler Projekte.

Gesundheit und Teilhabe im Alter – Herausforderungen und Chancen

Die Förderung von Bewegung und sozialer Teilhabe im Alter stand im Mittelpunkt des Workshops „Gesundheit und Teilhabe im Alter – Herausforderungen und Chancen“, der am 18. März 2025 im Rahmen des Kongresses stattfand. Carolin Becklas und Felix Weber (HAGE, Arbeitsbereich „Gesund altern“) widmeten sich gemeinsam mit Annalena Bußkamp und Claudia Vonstein (Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG)) sowie Patrizia Frank (Kreis Groß-Gerau) der Frage, wie ältere Menschen besser in gesundheitliche Teilhabeprozesse eingebunden werden können.

Ein zentrales Ergebnis des Workshops war die Bedeutung von Partizipation. Ältere Menschen sollten nicht nur erreicht, sondern aktiv in die Gestaltung von Maßnahmen eingebunden werden – etwa durch lokale Netzwerke, niedrigschwellige Angebote oder direkte persönliche Ansprache. Besonders hervorgehoben wurde, dass gesundheitsfördernde Maßnahmen nachhaltiger wirken, wenn sie partizipativ entwickelt und mit den Betroffenen gemeinsam gestaltet werden. Die Diskussion machte zudem auf zentrale Herausforderungen aufmerksam. Finanzierungsfragen, die Überzeugung politischer Entscheidungsträger*innen und die langfristige Absicherung von Projekten erfordern eine gezielte Kommunikation, Netzwerkarbeit und evidenzbasierte Argumentation. 
Ein Praxisbeispiel aus dem hessischen Kreis Groß-Gerau verdeutlichte, wie wirkungsvoll partizipative Ansätze sein können. Dort gemeinsam mit älteren Menschen entwickelte Angebote wurden nicht nur besser angenommen, sondern führten auch zu einem stärkeren Engagement der beteiligten älteren Menschen.

Der Workshop lieferte wertvolle Impulse für eine nachhaltige und integrative Gesundheits- und Bewegungsförderung und unterstrich die Notwendigkeit, ältere Menschen aktiv an Entscheidungsprozessen zu beteiligen. 

Gelebte Demokratie – wer ist Teil demokratischer Prozesse?

Unter dem Titel „Gelebte Demokratie – wer ist Teil demokratischer Prozesse? Chancengerechte und partizipative Angebote gestalten“ beleuchteten Linda Huf-Hoko und Izabela Bojkowska (HAGE, Programm teamw()rk für Gesundheit und Arbeit) in ihrem Workshop, wie strukturelle Chancenungleichheit die gesellschaftliche Partizipation erschwert und insbesondere erwerbslose Menschen aus demokratischen Prozessen ausschließt. Die Teilnehmenden näherten sich in einer praxisorientierten Arbeitsweise der Frage, wie bedarfsgerechte und partizipative Angebote gestaltet werden können. Besonders deutlich wurde dabei der hohe Wert interdisziplinärer Zusammenarbeit, um Lebensrealitäten besser zu erfassen und Maßnahmen gezielt sowie nachhaltig zu entwickeln.

Ergänzt wurde der Workshop durch praxisnahe Einblicke der Arbeitsloseninitiative Wali e. V., die konkrete Herausforderungen und mögliche Handlungsansätze aufzeigte. Die angeregten Diskussionen zeigten eindrucksvoll, wie wichtig es ist, Demokratie inklusiver und lebensweltorientierter zu gestalten – ein zentraler Ansatz, um gesellschaftliche Teilhabe für alle zu ermöglichen.

Armut und Gesundheit 2025 – Impulse für Teilhabe und Chancengerechtigkeit

Der Kongress Armut und Gesundheit 2025 hat einmal mehr verdeutlicht, wie eng Gesundheitsförderung, soziale Teilhabe und demokratische Mitgestaltung miteinander verbunden sind. Er bot wertvolle Gelegenheiten für den fachlichen Austausch und die Vernetzung verschiedener Akteur*innen aus Wissenschaft, Praxis und Politik. 

Auch über den Kongress hinaus bleibt die Förderung von Chancengerechtigkeit und Teilhabe ein wesentlicher Schwerpunkt unserer Arbeit. Der kontinuierliche Dialog mit relevanten Akteur*innen und die Entwicklung nachhaltiger Ansätze stehen dabei im Mittelpunkt.

Weitere Informationen zum Kongress finden Sie unter: www.armut-und-gesundheit.de