nachricht

Gebündelte Beratungsangebote unterstützen Familien

Landesprogramm „Präventionsketten Hessen“: Wie Präventionskettenarbeit in praktische Maßnahmen mündet

6. Mai 2026
Präventionsketten sind ein zentraler Ansatz der Gesundheits- und Familienförderung. Das Landesprogramm „Präventionsketten Hessen“ zielt darauf ab, Kinder und ihre Familien frühzeitig und passgenau zu unterstützen. Wie das konkret gelingt, zeigen gebündelte Familienberatungsangebote in hessischen Kommunen.
Baum mit Kinderfiguren

Präventionsketten sind eine kommunale integrierte Gesamtstrategie, die darauf abzielt, allen Menschen vor Ort ein gesundes Leben und eine gute Lebensqualität zu ermöglichen. Kommunale Akteure aus unterschiedlichen Bereichen schaffen gemeinsam einen Rahmen, damit die vielfältigen Unterstützungsangebote in einer Kommune miteinander verknüpft und Zugänge erleichtert werden können. 

Mit dem Landesprogramm Präventionsketten Hessen – Gelingendes Aufwachsen, Kinderrechte leben zielt das Land Hessen darauf ab, insbesondere Kinder im Alter von 0 bis 10 Jahren und ihre Familien frühzeitig und bedarfsgerecht zu unterstützen. Es geht darum, Strukturen so zu gestalten, dass Kinder gut und gesund aufwachsen können – chancengerecht und kinderrechtsbasiert. 

Beispiel: Gebündelte Beratungsangebote 

Wie Präventionskettenarbeit in Hessen in praktische Maßnahmen mündet, lässt sich anschaulich am Beispiel der gebündelten Familienleistungsberatung zeigen. Sie zielt darauf ab, dass bestehende Unterstützungsangebote für Familien diese auch tatsächlich erreichen. Hintergrund ist, dass ein erheblicher Teil der berechtigten Familien Leistungen nicht in Anspruch nimmt – häufig aufgrund von Informationsdefiziten, bürokratischen Hürden oder fehlender Orientierung im Unterstützungssystem (Baisch, B., et al., 2023).

„Tag der Familienleistungen“, „FamilienPoint“, „Kompass Familien“ oder „Café der kleinen Schätze“: In Hessen erproben und verstetigen immer mehr Kommunen im Landesprogramm „Präventionsketten Hessen“ solche Beratungs- und Hilfsangebote. 

Was ist eine gebündelte Familienleistungsberatung?

Bei der gebündelten Familienleistungsberatung (kommunal teils unter verschiedenen Namen) handelt es sich um ein wiederkehrendes, niedrigschwelliges Format, in dem Familien an einem Ort und zu einem Termin Information und Beratung zu Familienleistungen und Unterstützungsmöglichkeiten erhalten – ressort- und sektorenübergreifend. Häufig gibt es dabei auch die Option, Unterlagen gemeinsam durchzugehen und Anträge (teilweise) vor Ort zu stellen oder datenschutzkonform vorzubereiten. Typische Themenfelder sind z.B. Kindergeld, Kinderzuschlag, Wohngeld, Unterhaltsvorschuss, Bildung und Teilhabe, Jobcenter‑Leistungen, Kitakosten/-Anmeldung oder ergänzende alltagspraktische Hilfen. 

Drei Praxisbeispiele aus Hessen

Wie unterschiedlich Kommunen dies gestalten, zeigen drei Beispiele: Gebündelte Familienleistungsberatung kann in Begegnungsangeboten, als mobiles Format oder in Form einer zentralen Anlaufstelle umgesetzt werden – je nach kommunalen Rahmenbedingungen. Gemeinsam ist allen Ansätzen, dass sie Zugänge vereinfachen, Beratung bündeln und Familien konkrete Unterstützung bieten.

Werra‑Meißner‑Kreis: Tag der Familienleistungen

Der Werra-Meißner-Kreis setzt auf ein mobiles, aufsuchendes Format. Einmal im Monat findet der „Tag der Familienleistungen“ an wechselnden Standorten statt und bringt Beratung direkt in die Lebenswelt von Familien, inklusive Unterstützung bei der Antragstellung vor Ort.

Verschiedene Akteur*innen beraten zu Leistungen wie Kindergeld, Wohngeld, Jobcenter-Leistungen oder Unterhaltsvorschuss. Entwickelt wurde das Angebot im Lokalen Bündnis für Familie, flankiert durch eine gezielte Öffentlichkeitsarbeit.

Der Ansatz kombiniert Regelmäßigkeit, Ortswechsel und direkte Hilfe und erreicht so auch Familien im ländlichen Raum, die sonst schwerer Zugang zu Beratung haben.

Landkreis Hersfeld‑Rotenburg: Café der kleinen Schätze

Im Landkreis Hersfeld-Rotenburg ist die gebündelte Familienleistungsberatung in ein offenes Begegnungsangebot in einem Familienzentrum eingebettet: das „Café der kleinen Schätze“. Einmal im Monat treffen sich (werdende) Eltern in entspannter Atmosphäre zum Austausch, während sie parallel Beratung zu finanziellen Familienleistungen erhalten – inklusive der Möglichkeit, Anträge direkt vor Ort zu stellen. Während die Eltern Unterstützung erhalten, werden die Kinder betreut.

Das Angebot wurde gemeinsam von den Koordinator*innen der dortigen Präventionsketten, des Familienzentrums und der Familienkasse entwickelt und mit bestehenden Strukturen verzahnt. 

Der besondere Mehrwert liegt in der Verbindung von Begegnung und Beratung: Der niedrigschwellige Rahmen senkt Hemmschwellen und erreicht Familien, die klassische Angebote oft nicht nutzen.

Stadt Kassel: FamilienPoint Kassel

Mit dem „FamilienPoint“ hat die Stadt Kassel eine zentrale, regelmäßige Anlaufstelle geschaffen. Einmal im Monat können sich Familien ohne Termin beraten lassen – mit der Möglichkeit, Anliegen direkt zu klären oder Anträge vorzubereiten.

Vor Ort beraten Fachkräfte verschiedener Institutionen zu einem breiten Themenspektrum: von Kindergeld, Kinderzuschlag, Unterhaltsvorschuss und Wohngeld über Bildung und Teilhabe, Kita und Kindertagespflege bis hin zu Berufseinstieg, Bürgergeld oder Wohnraum. Ergänzende Angebote wie der Stromspar-Check erweitern die Unterstützung im Alltag. 

Der FamilienPoint ist ein Kooperationsprojekt der Präventionskette Kassel, der Familienkasse Hessen, Akti(F) Plus und weiterer Partner und wird im Rahmen des „Pakts gegen Armut“ koordiniert. Auch die Hessenschau berichtete in der Vergangenheit über dieses Angebot. 

Literaturangabe

Baisch, B., Müller, D., Zollner, C., Castiglioni, L., & Boll, C. (2023). Barrieren der Inanspruchnahme monetärer Leistungen für Familien. Deutsches Jugendinstitut. https://www.dji.de/fileadmin/user\_upload/bibs2023/DJI\_Barrieren\_der\_Inanspruchnahme\_2023.pdf

Illustration: © HAGE / Sandra Beer