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Die HAGE auf dem Kongress Armut und Gesundheit
Gesundheit ist politisch! Was ist uns Chancengerechtigkeit als Gesellschaft wert?

Vom 16.-17.03.2026 fand der Kongress Armut und Gesundheit im Henry-Ford-Bau der Freien Universität Berlin statt – mit insgesamt ca. 1.400 Engagierten aus Wissenschaft, Praxis, Politik und Zivilgesellschaft.
Der Kongress stand unter dem Motto „Gesundheit ist politisch! Was ist uns Chancengerechtigkeit als Gesellschaft wert?“ und griff damit die zentrale Frage auf, welche gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen notwendig sind, um gesundheitliche Chancengleichheit zu stärken.
Eine wichtige Grundlage für die Diskussionen bildete das aktuelle Diskussionspapier zum Kongress, das zentrale Herausforderungen und politische Handlungsfelder der Gesundheitsförderung und Prävention beleuchtet.
→ Zum Diskussionspapier zum Kongress Armut und Gesundheit 2026
Mit einem umfangreichen Programm aus Fachforen, Workshops und Diskussionsveranstaltungen bot der Kongress Raum für Austausch zu Themen wie sozial bedingter Gesundheitsungleichheit, kommunaler Gesundheitsförderung, Umweltgerechtigkeit sowie Demokratie und Gesundheit.
Die Beiträge der HAGE
Die HAGE war mit mehreren Beiträgen vertreten und brachte ihre Erfahrungen aus der kommunalen und soziallagenbezogenen Gesundheitsförderung und Prävention in die fachpolitischen Diskussionen ein.
Dr. Katharina Böhm (Geschäftsführerin der HAGE) gestaltete gemeinsam mit Prof. Dr. Heike Köckler (Hochschule Bochum) den Abschlussimpuls auf der Satellitenveranstaltung Das Ganze ist mehr! Zusammenarbeit in der Kommune.
Im Dialog mit den Moderator*innen der Diskussionsforen identifizierten sie die zentralen Gelingensbedingungen der kommunalen Umsetzung von Health in all Policies, darunter politische Unterstützung, eine hohe fachliche Qualität der Koordinationskräfte und eine transparente Kommunikation.
Zum Abschluss hoben sie hervor, wie wichtig intersektorale Zusammenarbeit sowohl bei der Vorbereitung auf Krisen, wie z. B. Extremwetterereignisse, als auch bei der Demokratieförderung ist. Sie plädierten dafür, die nachhaltige Verankerung von Programmen und Strukturen bei Projekten gleich von Beginn an zu adressieren.
Im Workshop „Vom Projekt zum Netzwerk: Gemeinsam Gesundheit im Alter gestalten“ stellte Carolin Becklas (HAGE, Arbeitsbereich Gesund altern) die Inhalte zu Bewegt älter werden in Offenbach vor, die in enger Zusammenarbeit mit Christine Dilling (Stadt Offenbach am Main) erarbeitet worden waren. Moderiert wurde der Workshop von Annalena Bußkamp (Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit).
Die Referentinnen zeigten, wie aus einem zeitlich begrenzten Projekt zur Bewegungsförderung älterer Menschen ein dauerhaftes kommunales Netzwerk entstanden ist. Dieses bringt regelmäßig Akteur*innen aus verschiedenen Fachbereichen zusammen und stärkt so die Gesundheitsförderung im Alter auf kommunaler Ebene.
Im Austausch mit den Teilnehmenden wurden zentrale Gelingensbedingungen für nachhaltige Gesundheitsförderung diskutiert. Dazu gehörten insbesondere
- die Einbindung kommunaler Strukturen,
- fachübergreifende Kooperationen,
- politische Unterstützung.
Das Beispiel Offenbach verdeutlichte, wie die Zusammenarbeit im Netzwerk langfristig zu mehr Bewegung, sozialer Teilhabe und gesundheitlicher Chancengleichheit im Alter beitragen kann.
Im Fachforum „Menschen in schwierigen Lebenslagen eine Stimme geben – Rolle der Koordinierungsstellen Gesundheitliche Chancengleichheit (KGC) in der Praxis der Gesundheitsförderung“ stand die Verringerung sozial bedingter Gesundheitsungleichheiten im Mittelpunkt. Das Fachforum wurde von Anne Böhle & Nadja Fuchs (Landesamt für Gesundheit und Arbeitsschutz Nordrhein-Westfalen), Angelina Weiß (Landesvereinigung für Gesundheitsförderung in Schleswig-Holstein e. V.), Alexandra Petzinger und Lene Herrigel (Landeszentrale für Gesundheit in Bayern e. V.) sowie Felix Koller und Ronja Rihlmann (KGC Hessen, HAGE) gestaltet.
Gesundheit steht in engem Zusammenhang mit der sozialen Lage. Um gesundheitliche Ungleichheiten nachhaltig zu verringern, braucht es daher gezielte strukturelle Maßnahmen auf systemischer Ebene. Die Koordinierungsstellen Gesundheitliche Chancengleichheit (KGC) unterstützen Kommunen dabei, integrierte Gesamtstrategien zu entwickeln. Sie begleiten entsprechende Prozesse, beraten und qualifizieren Akteur*innen im Bereich der soziallagenbezogenen Gesundheitsförderung.
Im Fachforum wurde aufgezeigt, wie die Koordinierungsstellen als Brücke zwischen Politik, Wissenschaft und kommunaler Praxis wirken und damit einen systematischen Wissenstransfer ermöglichen. Erfahrungen aus Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein, Bayern und Hessen verdeutlichten, welche Strategien, Kooperationen und Steuerungsansätze dazu beitragen können, bedarfsgerechte Angebote wirksam umzusetzen und langfristig zu verankern. Die Teilnehmenden erhielten praxisnahe Einblicke und Impulse für ihre eigene Arbeit – von der strategischen Planung bis zur Umsetzung vor Ort.
Im Workshop „Wie politisch müssen Präventionsketten sein? Strukturelle Armutsprävention und gesundheitliche Chancengleichheit für Kinder und Jugendliche“ diskutierten Christoph Gilles (LVR – Landesjugendamt Rheinland), Rajni Kerber (Programmleitung Präventionsketten Hessen, HAGE) und Christina Kruse (Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen Bremen e. V.) die Bedeutung politischer Rahmenbedingungen für wirksame Präventionsketten.
Armut ist ein strukturelles Problem mit weitreichenden Folgen für die Entwicklung sowie die soziale, kulturelle, materielle und gesundheitliche Teilhabe von Kindern und Jugendlichen. Präventionsketten verfolgen das Ziel, allen Kindern und Jugendlichen ein gesundes und gelingendes Aufwachsen zu ermöglichen. Als integrierte kommunale Strategie der Gesundheitsförderung leisten sie bundesweit einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung des Ansatzes Health in All Policies.
Anhand von Good-Practice-Beispielen aus Hessen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen wurde mit den Teilnehmenden diskutiert, wie politische Unterstützung für Präventionsketten gestärkt werden kann und welche Strategien dazu beitragen, ihre langfristige Verankerung in kommunalen Strukturen zu sichern.
Dabei wurde deutlich, dass Präventionsketten langfristige politische Unterstützung und verlässliche strukturelle Rahmenbedingungen benötigen, um ihre Wirkung nachhaltig entfalten zu können. Entsprechende Entscheidungen sind auf allen politischen Ebenen erforderlich – von der Kommune über die Länder bis hin zu Bund und EU.
Kongress Armut und Gesundheit 2026: Austausch und Impulse
Der Kongress Armut und Gesundheit 2026 bot erneut eine wichtige Plattform für fachlichen Austausch, Vernetzung und politische Diskussion zu Strategien der Gesundheitsförderung und Prävention. Mit ihren Beiträgen brachte die HAGE wichtige Impulse zur Weiterentwicklung kommunaler Gesundheitsförderung und gesundheitlicher Chancengleichheit ein und stärkte den Austausch zwischen Praxis, Wissenschaft und Politik. Weitere Informationen zum Kongress finden Sie unter: www.armut-und-gesundheit.de